Wittelsbacher Gymnasium München

Schulpartnerschaft Wittelsbacher Gymnasium München und Kehila Democratic School Tel Aviv/Jaffa

Kehila Democratic School Tel Aviv/Jaffa

Die Kehila Democratic School Tel Aviv/Jaffa

Unsere Partnerschule, die Kehila Democratic School in Tel Aviv/Jaffa wurde 2005 gegründet und besteht aus Kindergarten (Vier- bis Sechsjährige – 65 Kinder), Grundschule (1. bis 3. Klasse – 100 Schüler*innen) und weiterführender Schule (Junior High: 7. und 8. Klasse – 50 Schüler*innen, High School: 9. bis 12. Klasse – 60 Schüler*innen).
Außerdem gibt es an der Kehila 40 erwachsene Mitarbeiter*innen, die aber nicht nur für den Unterricht in bestimmten Fächern zuständig sind, sondern auch einzelne Schüler*innen als Lernbegleiter individuell betreuen.

Nurit Heffes, Mitarbeiterin und Lehrkraft für Englisch an der Junior High und High School, betreut unsere Schulpartnerschaft an der israelischen Schule in Tel Aviv/Jaffa. Sie beschreibt die Kehila Democratic School wie folgt:

„An einer demokratischen Schule unterstützen die Erwachsenen die Kinder und Jugendlichen dabei, ihren Lernprozess und damit auch ihren Unterricht so weit möglich eigenverantwortlich und individuell zu planen. Zu Jahresbeginn findet dafür eine Planungsphase statt, in der die Angebote für das kommende Schuljahr ausgearbeitet und dann gewählt werden. Dabei gibt es keine Bindung an eine feste Jahrgangsstufe und auch keine Verpflichtung, ein bestimmtes Unterrichtsangebot wahrzunehmen. Die Kinder und Jugendlichen können also aufgrund ihrer Interessen, ihres Vorwissens und ihrer Selbsteinschätzung freiwillig bestimmte Angebote auswählen.

Mit dem Besuch einer demokratischen Schule haben die Schüler*innen also theoretisch auch die Option, keinen Unterricht zu besuchen. Der zentrale Gedanke demokratischer Schulen ist, dass das Kind selbst auswählt und entscheidet, was es lernt, und damit im Lernprozess seiner natürlichen Neugier folgen kann und den Lernweg dann nach eigenen Vorlieben und nach Charakter, individuellen Fähigkeiten und Talenten in eigenem Tempo beschreiten kann. Dabei kann das Lerntempo auch in den unterschiedlichen Fachgebieten variieren.

Die Schule fördert damit die Neugier und Lernfreude der Schüler*innen und zugleich auch ihr Bedürfnis, Entscheidungsprozesse zu beeinflussen: Sie werden darin bestärkt, den eigenen Standpunkt zu finden, auszudrücken und in demokratischen Prozessen mitzuteilen.

Dabei ist die Wahl der eigenen Unterrichtsangebote und damit die Zusammenstellung des eigenen Lernprogramms eine Möglichkeit der Partizipation. Die Schüler*innen spielen auch eine wichtige Rolle bei der Gestaltung des Schullebens und der Regeln des Zusammenlebens in der Schule und sie sind auch in die Organisation der Schule mit eingebunden. Dafür gibt es verschiedene Ausschüsse, in denen Erwachsene und Jugendliche mit gleicher Stimme teilnehmen und Aufgaben auch der Finanzierung oder der Außenwirksamkeit der Schule mitverantworten.

Die gemeinsamen Regeln des Zusammenlebens in der Schule werden von der Schulversammlung festgelegt, an der Schüler*innen, Lehrkräfte und auch Eltern teilnehmen können. Verschiedene Meinungen und Lösungsansätze werden in der Schulversammlung im Plenum diskutiert und dann zur Abstimmung gebracht. So gab es vor ein paar Jahren eine Plenumssitzung, um die Regeln zur Benutzung von Mobiltelefonen auf dem Schulgrundstück zu überarbeiten. Zuletzt entschied die Mehrheit der Schulversammlung (und auch die Mehrheit unter den Schüler*innen, auch wenn es kaum zu glauben ist), dass Mobiltelefone bis zur sechsten Klasse auf dem Schulgrundstück nicht erlaubt sind.

Eine demokratische Schule eignet sich für alle Kinder. Aber am besten finden sich diejenigen Kinder zurecht, die sich selbst für die demokratische Schule entschieden haben. Diese Entscheidung für eine demokratische Schule bedeutet nicht, dass das Lernen ab jetzt generell frei von Zwang und Anstrengung ist, aber es soll sich so weit wie möglich aus innerer Motivation und natürlichem Drang nach Erkenntnis vollziehen.“

Online-Wahlfach Munich – Tel Aviv

Das Online-Wahlfach Munich – Tel Aviv

In 14-tägig stattfindenden Videokonferenzen am Nachmittag tauschen sich die Schüler*innen beider Schulen (Jahrgangsstufen 8-11) über das Schuljahr hinweg aus und bearbeiten das jeweils für ein Schulhalbjahr gemeinsam gestaltete Programm. Die Videokonferenzen werden dabei von den Schüler*innen der beiden Schulen mit Unterstützung der Lehrkräfte vorbereitet und dann von allen Schüler*innen und den Lehrkräften gemeinsam besucht. Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Begleitend zu den Videokonferenzen werden am Wittelsbacher-Gymnasium verschiedene Exkursionen und Vorträge angeboten (zum Beispiel Ausflüge in eine Synagoge, ins jüdische Museum und in die jüdische Literaturhandlung, Lesungen, Vorträge, Theaterbesuche, Konzerte, Einführung in die hebräische Sprache).

Das Wahlfach wurde während des Distanzunterrichts im Schuljahr 2020/21 eingeführt und dann im Schuljahr 2021/22 erfolgreich im Rahmen des regulären Wahlunterrichts am WBG etabliert. Es wird im Schuljahr 2022/23 voraussichtlich mittwochs um 17.00 Uhr stattfinden.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich für die Online-Treffen je nach Interessen der Teilnehmer*innen in etwa folgende inhaltliche Schwerpunkte ergeben:
  • Gegenseitiges Kennenlernen
  • die Rolle von Religion für Gesellschaft und Kultur im jeweiligen Land
  • landeskundliche und gesellschaftspolitische Themen aus Geschichte und Gegenwart
  • kulturelle Inhalte (Kunst, Literatur, Film, Musik, Sport)
  • gemeinsame Aktivitäten (Kochen, Spielen, Filmprojekte, Sprache lernen)

Ziel des Wahlfachs aus pädagogischer Sicht ist die interkulturelle Begegnung mit israelischen Jugendlichen. Im Fokus liegt dabei der Austausch über gegenwärtige gesellschaftspolitische und kulturelle Themen, die sich aus den Interessen der Jugendlichen ergeben. Die Erfahrung der letzten beiden Jahre hat gezeigt, dass dabei immer wieder Fragen von Religion in ihrer gesellschaftlich-kulturellen Bedeutung aber auch in Bezug auf den eigenen Glauben bzw. die eigene Weltanschauung in den Vordergrund rücken. Die Schüler*innen wünschen sich, Filme und Literatur über das Judentum zu lesen, die Vielfalt des gelebten Judentums kennenzulernen und sich mit traditionellen Formen von Religion in Bezug zur säkularen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Die zusätzlich angebotenen Exkursionen führen die Schüler*innen des WBG an die Gegenwart und Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur im Münchner Raum heran.

Eine Auseinandersetzung mit Themen der nationalsozialistischen Vergangenheit, Fragen der Erinnerungskultur, Umgang mit verschiedenen Formen des Antisemitismus, aber auch mit dem Nahostkonflikt, der Problematik israelischer Siedlungspolitik, mit Diskriminierung und sozialen Spannungen in beiden Ländern, mit den globalen Herausforderungen des Klimawandels etc. ergibt sich dabei zwangsläufig aus den Interessen der Jugendlichen.

Darüber hinaus lernen die Teilnehmer*innen des Online-Wahlfachs das jeweils andere Schulsystem kennen. Für die Schüler*innen bedeutet das einen Einblick in die Organisation und den Schulalltag einer Democratic School in Israel. Die eigenverantwortliche Planung und Durchführung des Unterrichts mit Unterstützung und Moderation der Lehrkräfte sind an der Kehila Democratic School selbstverständlich. Bei uns am Wittelsbacher Gymnasium erleben die Schüler*innen im Rahmen des Wahlfachs die Chancen und Herausforderungen eigenverantwortlicher Projektarbeit kennen. Die Erfahrung zeigt, dass unsere Schüler*innen dabei eine hohe intrinsische Motivation und Einsatzbereitschaft zur vertieften Auseinandersetzung mit den selbstgesetzten Inhalten entwickeln.

Und nicht zuletzt stellt das Online-Wahlfach eine gute Gelegenheit für regelmäßige englische Sprachpraxis dar. Die Schüler*innen hatten im letzten Schuljahr so viel Spaß an dem Austausch, dass sie oft noch ohne Lehrkräfte im Online-Konferenzraum beisammen geblieben sind, um zu sprechen oder gemeinsam zum Beispiel scribble zu spielen.

Stimmen von Schüler*innen zum Online-Austausch

Dass wir als organisierende Lehrkräfte von unserem Online-Wahlfach angetan sind, wurde aus dem obigen Text sicher deutlich. Darüber hinaus möchte ich hier ein paar Kommentare anfügen, mit denen die Schüler*innen den Online-Austausch des Schuljahres 2021/22 rückblickend beschrieben haben:

„It was a really good experience to talk to you guys and learn about Germany. I hope we’ll meet again next year.” (Hillel, Kehila)

“Thank you for all the amazing meetings! I truly enjoyed each one, hope to meet again next year!” (Jonathan, Kehila)

“I learned so much about the differences and similarities between Israel and Germany. I enjoyed exchanging ideas, looking at things from another side and just taking different things i’ve learned with me for life.” (Evi, WBG)

“The meetings were really nice, i really enjoyed talking with the german people because its always nice to talk with people from another country. Also i enjoyed watching unorthodox, amazing mini series.” (Daphna, Kehila)

“It was a great experience to learn about the Israeli culture and to discuss different topics like history and politics and to talk about our daily lives. Especially during the pandemic it was great to meet students from other countries.” (Luise, WBG)

“I’ve really enjoyed the course this year. I had a lot of fun talking with the German students and learning about their culture. It’s very fun to get to know people from different countries and the students were really kind and nice as well. I’m looking forward to next year’s course, and for the Munich students’ visit in Israel.” (Jonathan, Kehila)

“It was a super great experience and I always enjoyed meeting new people and a new culture. I particularly liked the presentations about our cities. Especially because of this, I really want to get to know TeL Aviv.” (Jakob, WBG)

“As someone who was also part of these meetings last year, the thing I really appreciated about this year’s meetings was how well organized and thought out they’ve were. The topics we talked about were really interesting, and were a really good way to create interesting conversation. I appreciate the effort Julika and Nurit put into planning these meetings and l think it really paid off. (Sorry if this is too long, as someone who had to check my tests Nurit could tell you that I never know how to write something short.)” (Dekel, Kehila)

Austauschfahrt Munich – Tel Aviv

Die Austauschfahrt Munich – Tel Aviv

Das Online-Wahlfach wird im Schuljahr 2022/23 erstmals ergänzt durch das Angebot einer Austausch-Fahrt nach Israel (9 Tage in der Woche vor den Herbstferien, im Schuljahr 2022/23 vom 23.10.2022 bis 01.11.2022) und durch einen Gegenbesuch der israelischen Schüler*innen am Wittelsbacher Gymnasium München möglichst auch im Schuljahr 2022/23 (Planung läuft, genauer Termin, Programm und Finanzplan stehen noch nicht fest).

Teilnehmen können Schüler*innen der Jahrgangsstufen 8 bis 11, die an dem Online-Wahlfach teilgenommen haben oder im laufenden Schuljahr teilnehmen. Da Kehila eine sehr kleine Schule ist, können nur 10 Plätze zur Unterbringung angeboten werden. Das entspricht aber auch in den letzten beiden Jahren der ungefähren Zahl der Schüler*innen, die sich am Wittelsbacher Gymnasium an dem regelmäßig stattfindenden Online-Wahlfach beteiligt haben.
Die deutschen Gastschüler*innen sind in den israelischen Familien der Gastgeber-Schüler*innen untergebracht.

Folgende Organisationen unterstützen unsere Austauschfahrt nach Tel Aviv:
  • BJR – Bayerischer Jugendring
  • BCJ.Bayern – Verein zur Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs in der Ev.-Luth. Kirche in Bayern e.V.
  • Axel Springer Stiftung