Wittelsbacher Gymnasium München

Mediation am Wittelsbacher

Seit dem Schuljahr 2005/2006 gibt es nun schon die Mediatoren am Wittelsbacher-Gymnasium. Mittlerweile ist, so kann man sagen, schon die zweite Generation herangewachsen …

Mediation – was ist das?

Mediation an der Schule ist immer Peer-Mediation, das heißt, wenn zwei oder mehr Schüler sich streiten, können diese zu einem sog. Streitschlichter aus der gleichen Altersgruppe gehen. Die Streitschlichter bzw. Mediatoren sind keine Richter, sondern sie fungieren als unparteiische Personen, die das Gespräch der Konfliktpartner begleiten und lenken, so dass die Konfliktlösung von den Streitenden selbst gefunden wird. Voraussetzung dafür ist, dass die sich streitenden Schüler freiwillig (!) die Mediatoren aufgesucht haben.

Nun verlangt diese Art der Konfliktregelung einige soziale und kommunikative Kompetenzen, und man könnte sich fragen, ob Schüler einer solchen Aufgabe überhaupt gewachsen seine können.

Sie können es! Tatsächlich gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Streitigkeiten zwischen Jugendlichen von diesen selbst, also von der Peer-Gruppe, wirkungsvoller gelöst werden können als durch die Intervention von Erwachsenen.

Sie können es, wenn sie gelernt haben zu streiten, konstruktiv zu streiten. Und dazu gehört es beispielsweise, ein Setting zu schaffen, in dem bestimmte Regeln aufgestellt und eingehalten werden, etwa die Regel: „Wir beschimpfen uns nicht“. Zu diesem Setting gehört ebenfalls, dass ein klar gegliederter Ablauf der Mediationssitzung eingehalten wird, nämlich die fünf Phasen des Schlichtungsgesprächs: vom Darlegen der Standpunkte der Streitenden bis hin zur Problemlösung und zum Kontrakt, den alle unterschreiben. Die Schüler lernen aktives Zuhören und die unterschiedliche Wirkung von Ich- und Du-Botschaften.

Mediation – konkret

Im Februar 2009 starteten wir die dreitägige Ausbildung der „Neuen“. „Wir“ – das sind die Betreuungslehrer der Mediatoren: Frau Regina Schlemmer, Herr Lorenz Petersen, Herr Hilz-Merthan. Es nahmen 14 Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 6 bis 8 teil sowie 4 „routinierte“ Streitschlichter der Jahrgangsstufen 9 bis 11, die bereits in früheren Jahren ausgebildet wurden, teil. Wir waren untergebracht in den schönen Räumen von Schloss Fürstenried, wo wir bei Vollpension gut versorgt wurden. Die anfallenden Kosten für Verpflegung und Unterkunft haben die Eltern aus eigener Tasche bezahlt – wir glauben, die Investition hat sich gelohnt! Die „skills“, die bei der Ausbildung erworben werden, kommen ja zunächst dem einzelnen Schüler selbst zugute und in zweiter Hinsicht dann der Klassen- sowie der Schulgemeinschaft.

Und wie geht es weiter? Geplant ist, auch im kommenden Schuljahr 2009/2010 einen Kurs anzubieten. Die alten, „routinierten“ Streitschlichter festigen ihre Kenntnisse und Fertigkeiten, die neuen Schülerinnen vor allem aus der 6. Jahrgangsstufe lernen das Verfahren der Mediation von Grund auf.

Außerdem gilt es natürlich immer wieder, den Lehrern und Mitschülern ins Gedächtnis zu rufen, dass es uns überhaupt gibt. Dazu werden wir auch im kommenden Schuljahr wieder den neuen Fünftklässlern einen Streit vorspielen und anschließend den Konflikt nach allen Regeln der Kunst lösen. Der Überraschungseffekt gelingt unserer Erfahrung nach recht gut, selbst bei Schülern, die das Verfahren schon aus der Grundschule kennen.

Bleibt zu hoffen, dass das „zarte Pflänzchen“, das mittlerweile nun doch schon eine gewisse Reife erlangt hat, auch weiterhin von der ganzen Schulgemeinschaft begossen wird.

Die Mediatoren werden betreut von: Frau Schlemmer, Herrn Petersen, Herrn Hilz-Merthan (v.l.n.r.)