Wittelsbacher Gymnasium München

Omnes cives mundi sumus: Wittelsbacher Schülerinnen und Schüler beim Erasmus+ – Projekt in Amsterdam

Fünfzig Frauen und Mädchen aus Syrien, dunkelhäutig, in weiße Tücher gehüllt, landen nach einer stürmischen Überfahrt über das Mittelmeer in Griechenland. Sie fliehen vor drohender Zwangsverheiratung in ihrer Heimat und bitten in Griechenland um Asyl. Die Griechen diskutieren, ob man es ihnen gewähren soll oder nicht …

Die Szene wirkt aktuell, doch steht sie am Beginn des Dramas „Die Schutzflehenden“ des attischen Dichters Aischylos, das im Jahr 466 v. C. in Athen zur Uraufführung kam. Dieses Stück nahmen sich Schülerinnen und Schüler aus Amsterdam, Bozen, Gaziou (Heraklion), Rein (Graz) und des Wittelsbacher-Gymnasiums München beim dritten Erasmus+ – Treffen vom 10. bis 14. November 2017 in Amsterdam vor, .im Rahmen des Projekts „Omnes cives mundi sumus: Bollwerk Europa oder …“

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler aus den fünf teilnehmenden Ländern im Herbst 2016 in München am Wittelsbacher-Gymnasium zur Lektüre und Diskussion antiker Texte zum Thema „Flucht und Vertreibung“ getroffen hatten und im Sommer 2017 am Gymnasium Walter von der Vogelweide in Bozen Vorarbeiten zu dem Theaterprojekt geleistet und auch eigene Texte zum Thema verfasst hatten, war man jetzt im November zu Gast am Barlaeus-Gymnasium im Amsterdam, um Aischylos’ Drama „Die Schutzflehenden“ einzuüben und zur Aufführung zu bringen.

Unter der Leitung von Richard Haasen, Regisseur und Lehrer am Barlaeus-Gymnasium, probten die Schülerinnen und Schüler vier Tage lang äußerst intensiv, unterstützt von zwei Choreografen, an einer zeitgemäßen Inszenierung des 2.500 Jahre alten Stücks, dessen Flucht-Thematik leider aktueller denn je ist.

Am Montagabend des 13. November war es dann soweit. Auf der Bühne des „Theaters Bellevue Amsterdam“ zeigten die Schülerinnen und Schüler vor großem Publikum in einer fast zweistündigen Aufführung das Ergebnis ihres Probens: eine eindringliche Inszenierung des antiken Stücks und der selbst verfassten Texte in vier Sprachen mit Musik, Tanzeinlagen, Projektionen, so überzeugend wie berührend! Langanhaltender Beifall war der Lohn für die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich in der gemeinsamen Theater-Arbeit und im privaten Miteinander wie selbstverständlich als cives mundi fühlten.

Im Frühjahr wird das Erasmus+ – Projekt in Kreta fortgeführt und findet dann im Sommer in Rein bei Graz seinen Abschluss.

Dietmar Gebauer