Wittelsbacher Gymnasium München

Das Fach Wirtschaft und Recht

Das Fach Wirtschaft und Recht möchte den Schülern wesentliche Grundlagen vermitteln, um sich in dem System, in dem wir leben und uns täglich bewegen, zurechtzufinden und Zusammenhänge zu erkennen.
Hierfür werden zu Beginn einzelne, alltägliche Prozesse und Fragestellungen herausgegriffen und beleuchtet.

So geht es am Anfang der Jahrgangsstufe 9 um die grundlegende Frage von Sinn und Zweck des Wirtschaftens:

  • Warum muss ich Dinge kaufen?
  • Warum habe ich nicht unendlich viel Geld? Wie kann ich meine Kaufentscheidung sinnvoll treffen?
  • Wie ist Geld überhaupt entstanden? Was ist Inflation?
  • Wie kann ich Geld sinnvoll anlegen, wenn ich es nicht ausgeben möchte? Warum ist sparen sinnvoll?

Hieraus ergibt sich die Frage:

  • Wie kann bzw. soll ich mein Geld verdienen?

Die Schüler bekommen daher ausgiebig Gelegenheit, sich mit der Frage der Berufswahl zu beschäftigen. Bewerbungsschreiben und Lebenslauf sind hier ebenso Bestandteil, wie Anforderungen von Unternehmen an Bewerber, die Geschichte der Berufsentwicklung oder die Bildungsmöglichkeiten im bayerischen Schulsystem.

Sind diese Grundlagen durchdacht, kommt der zweite Teil des Faches zum tragen. Die Schüler lernen die wichtigsten privatrechtlichen Rahmenbedingungen ihrer alltäglichen Handlungen kennen. So werden etwa Begriffe wie Kaufvertrag, Eigentumsübertragung, Sachmangel, Schadensersatz, Geschäftsfähigkeit und Deliktsfähigkeit anhand des BGB-Gesetzestexts erarbeitet und an konkreten Fällen angewendet.

Bis hierher haben die Schüler „Wirtschaft“ aus ihrer Sicht betrachten gelernt, worauf nun ein wichtiger Perspektivenwechsel folgt. Der Blick in das Unternehmen.
Welche Rolle spielen Unternehmen in unserer Gesellschaft? Was gilt es zu beachten, wenn man ein Unternehmen gründet? Welche Geschäftsprozesse gibt es in Unternehmen, welche Produktionsmethoden? Was heißt eigentlich Arbeitsteilung? Was Spezialisierung?
Wofür hat man eine Bilanz und eine Gewinn-und Verlustrechnung und wie funktionieren sie?

Lehrplan Jahrgangsstufe 9

Die Jahrgangsstufe 10 lässt den Schüler nach der eher isolierten Betrachtung von Konsumenten und Unternehmen im Jahr zuvor in volkswirtschaftliche Überlegungen einsteigen. Sozusagen die „Vogelperspektive“ der Wirtschaft also, die sich nicht mit einzelnen Wirtschaftssubjekten beschäftigt, sondern mit Märkten, Ländern und deren Beziehungen zueinander.

Es geht um Begriffe wie Markt, Angebot und Nachfrage, Börse oder um die verschiedenen Wirtschaftsbereiche Deutschlands und deren Entwicklung. Die elementaren Güter- und Geldströme zwischen den verschiedenen Sektoren der Wirtschaft werden im sogenannten Kreislaufmodell dargestellt.

Hier erfolgt wiederum die Ergänzung des Gelernten aus der rechtlichen Perspektive. Die Schüler erfahren, welche Prinzipien das Rückgrat der Rechtsordnung Deutschlands bilden. Leitfragen sind etwa:

  • Warum brauchen wir Regeln?
  • Warum Strafen?
  • Was ist ein Rechtsstaat?

Es geht um die Soziale Marktwirtschaft, aus heutiger wie aus historischer Sicht, und darum, welche Vorteile sie gegenüber der Freien Marktwirtschaft und der Zentralverwaltungswirtschaft bietet. Aktuelle Probleme werden hier natürlich nicht ausgeklammert. Unser Steuer- und Sozialsystem werden beleuchtet und kritisch diskutiert.

Aufbauend auf dem Verständnis unserer nationalen Volkswirtschaft wird nun der sehr wichtige Blick über den Tellerrand gewagt. Internationale Arbeitsteilung und weltwirtschaftliche Verflechtung sind dabei die Hauptstichwörter. Hierzu denken die Schüler zunächst über den Sinn internationalen Handels nach, wägen Vor- und Nachteile ab. Daran schließt sich die Beschäftigung mit der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sowie deren wirtschaftlicher Relevanz an.

Lehrplan Jahrgangsstufe 10

Hier finden Sie das in beiden Jahrgangsstufen erworbene Grundwissen kompakt zusammengefasst:

grundwissen_wr_9_1.pdf (244 kB)

grundwissen_wr_10_1.pdf (420 kB)

In der Q-Phase wird das in der Mittelstufe erarbeitete Grundwissen vertieft und an vielen Stellen erweitert.

So werden in der 11. Jahrgangsstufe die Grundlagen unserer Rechtsordnung tiefergehend besprochen und die wesentlichen Prinzipien des Strafrechts erarbeitet. Ziel ist es, den Schülern ein Gefühl dafür zu vermitteln, auf welche Weise der Staat mit diesem mächtigen Instrument des öffentlichen Rechts auf seine Bürger Einfluss nimmt. Zu diesem Zweck werden u.a. Fälle mit ausgewählten Einzelnormen des StGB bearbeitet.

Auch das BGB, als wichtiger Teil des Privatrechts, wird noch einmal vertieft betrachtet. Wurden in der 9. Klasse bereits der Kaufvertrag und der Schadensersatz behandelt, wird das Blickfeld nun auch auf andere vertragliche und nicht vertragliche Schuldverhältnisse erweitert. Wichtig ist hier in der Oberstufe auch der Blick hinter die Kulissen: Strukturmerkmale und Systematik rechtlicher Handlungen werden ebenso vermittelt wie das „bloße“ Prüfen von Fällen.

Auch im wirtschaftlichen Teil des Faches soll den Sachen auf den Grund gegangen werden: Ausgehend vom in der 10. Klasse erworbenen volkswirtschaftlichen Wissen werden empfindliche Fragen gestellt. Etwa nach den Zielen unserer Wirtschaftspolitik, ob diese so wie sie gesetzt sind, Sinn ergeben und ob sie erreicht werden. Jedes Ziel des sog. „Magischen Vierecks bzw. Sechsecks“ wird genau untersucht.

Nach diesen Betrachtungen wenden sich die Schüler ganz essentiellen Begriffen zu, wie etwa der Konjunktur oder der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Sie sollen sich ein Bild davon machen können, wie versucht wird, die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft abzubilden. Besonderes Augenmerk wird hier darauf gerichtet, wie man anhand verschiedener Indikatoren Schlüsse auf die künftige Wirtschaftsentwicklung ziehen kann.

Mit den neu gewonnen Erkenntnissen wenden wir uns dann nochmals den politischen Gestaltungsmöglichkeiten einer Sozialen Marktwirtschaft zu. Auch mit Hilfe des Wirtschaftskreislaufmodells werden Wirkungen einzelner Maßnahmen analysiert und diskutiert sowie die beiden grundlegenden Denkschulen der Wirtschaftspolitik (Angebots- und Nachfragepolitik) gegenüber gestellt.

Lehrplan Jahrgangsstufe 11

Die 12. Jahrgangsstufe knüpft nahtlos beim Thema Wirtschaftspolitik an. Hier wird zunächst eines der zentralen Entscheidungsfelder besprochen: Beschäftigung und Einkommen. Welche Möglichkeiten haben wir, den unterschiedlichen Arten von Arbeitslosigkeit beizukommen? Was bedeutet Tarifautonomie? Welche (Doppel-)Rolle spielen Steuern? Was ist von Staatsverschuldung zu halten? Wie hängen diese Dinge miteinander zusammen?

Das zweite große Thema trägt den Titel „Geld und Währung“ und beleuchtet Struktur, Aufgaben und Vorgehensweise des Europäischen Systems der Zentralbanken, insbesondere der EZB. In diesem Zusammenhang wird auch der Wert des Euro zu anderen Währungen, also sein Wechselkurs, und verschiedene Wechselkurssysteme besprochen. Diese Betrachtungen leiten den Blick zur Außenwirtschaft und deren Bedeutung für die EU und Deutschland, sowie zu Vor- und Nachteilen einer globalen Verknüpfung von Handelspartnern. Wichtige Begriffe wie die Zahlungsbilanz, Freihandel und Protektionismus werden in diesem Zusammenhang näher erläutert und mit der abschließenden Beurteilung auf Grundlage des Gelernten endet der Wirtschaftsteil dieser Jahrgangsstufe.

Das Rechtshalbjahr baut auf dem Vorjahreswissen auf und befasst sich mit den Problemen, die bei der Erfüllung von Schuldverhältnissen auftreten können. Diese sog. Leistungsstörungen werden zunächst systematisiert und danach einzeln betrachtet. Konkret werden die Voraussetzungen und Rechtsfolgen der Verspätung der Leistung beim Kauf und der mangelhaften Leistung beim Kauf besprochen.

Abschließend wird der Begriff Vertragsfreiheit als wichtige Grundlage unseres Wirtschaftssystems hervorgehoben und einem ebenso wichtigen Teil, dem Verbraucherschutz, gegenübergestellt. Mögliche Konflikte werden aufgezeigt und wichtige Regelungen des Verbraucherschutzes besprochen.

Lehrplan Jahrgangsstufe 12