Wittelsbacher Gymnasium München

Das Fach Kunst

Kunst - Erziehung

„Der Kopf ist rund, damit die Gedanken ihre Richtung ändern können“.

Dieses Zitat von Francis Picabia könnte das Motto des Faches Kunst formulieren, wenn es nicht mittlerweile schon zu oft zitiert worden wäre. Obwohl es so etwas wie „Kreativität“ als mögliche Kernkompetenz künstlerischen Gestaltens in allen Jahrgangsstufen zu vermitteln gilt, fehlt diesem Motto damit die Originalität, ohne die – egal welche – Kreativität nur eine hohle Problemlösungsmethode ist. Schade. Es war ein so schönes Zitat.

Auch ein zweiter Lieblingsspruch teilt dieses Schicksal:

„Kunst ist schön, macht aber Arbeit“.

Es stammt von Karl Valentin und weist auf die handwerkliche und deshalb schweißtreibende Grundlage alles „Schönen“ hin, indem es deren idealisierende Erscheinung als Kunst vom hohen Sockel der Verklärung schubst.

Woraus drittens zu lernen ist, dass die Gedanken ihre Richtung nicht ändern können sollten, sondern sogar müssen, denn sie gelten immer nur für einen bestimmten Zeitraum und unter bestimmten Voraussetzungen. Die Kunst braucht Regeln – aber diese, die es gerade gibt, bestimmt nicht!

Deshalb kann jeder Lehrplan, und sei er auch immer so gut gemeint wie möglich, immer nur einen gewissen Rahmen abstecken, der jedes Jahr mit anderen und neuen oder älteren Schülern wieder neu gefüllt und originell gedeutet werden muss – auch von der Lehrerseite her.

Ein in der Kunstpädagogik virulentes Grundproblem besteht in der Beantwortung der Frage, ob sie mit Kunst oder zur Kunst erziehen solle, wobei der Begriff „Erziehung“ mittlerweile aus der Bezeichnung des Faches selbst und in den Schulzeugnissen verschwunden ist: da heißt es schlicht „Kunst“. Jeder Künstler, Kunstlehrer oder Kunstpädagoge in der Schule wird diese Frage wohl unterschiedlich beantworten, je nachdem aus welcher Schule er oder sie selbst wiederum stammt. Am WG ist es seit Langem die Devise: „Zur Kunst“ wollen wir erziehen!

Das wichtigste Unterrichtsziel, das wir verfolgen, besteht darin, dass jedes Mädchen und jeder Junge, der hier sein Abitur macht, mit Kunst in seinem Leben etwas anfangen kann, dass sie ein wesentlicher oder nicht, aber Bestandteil seiner Lebensqualität ist und jeder ein begründetes Qualitätsurteil über die Bildwelt, in welcher er/sie lebt, abgeben kann. Der Weg dazu führt über das Selbermachen ebenso wie über das gedankliche Durchdringen von Bildern. Eine sehr enge Vernetzung dieser beiden Kompetenzen ist dafür notwendig. Man muss Bilder kennen, man muss die Welt sehen lernen, man muss beides verknüpfen können – man muss verstehen, wie etwas zustande kam, und auch das, was man selbst produziert, muss man ernst nehmen und verstehen. Vor allem das letzte ist keine Kleinigkeit!

Es gibt in Kunst also viel zu lernen – aber eben anders als in allen anderen Fächern. Auswendig gelernt wird eher wenig, umso mehr kommt es auf Transferlernen an. Erfahrungen müssen reflektiert werden, handwerkliches Geschick spielt eine Rolle, Werthaltungen und Geschmacksurteile sollten ebenso hinterfragt wie selbstbewusst vertreten werden.

Als ausgebildete und häufig praktizierende Künstler sind bayerische Kunstlehrer Ratgeber und Moderatoren individueller Kunstprojekte ihrer Schüler. Sie wissen, dass jede Arbeit im Fach Kunst für jeden Schüler ein eigenes Projekt ist, das es zu begleiten gilt. Wir stoßen an, ja, und wir machen auch vor, wir kritisieren und befeuern, ja, ja – aber immer bleibt es das besondere, individuelle Projekt des in seiner Art einzigartigen Schülers. Über nichts freuen wir uns mehr als über gelungene, durchgestandene, originelle Bilder!

  • Am WBG bespielen wir eine eigene Schulgalerie („PS 2“) mit bis zu 6 Ausstellungen im Jahr
  • Wir richten regelmäßig P- und W- Seminare ein
  • Wir blicken auf eine lange Tradition von Leistungskursen und neuerdings der „Addita“ in der Oberstufe zurück
  • Unsere Schüler sind „Piloten“ und „Museumsführer“ (in Zusammenarbeit mit dem MPZ)
  • Wir besuchen regelmäßig Ausstellungen und Museen
  • Wir sind eine von sechs Seminarschulen für Kunst in Bayern – seit über 50 Jahren
  • Wir arbeiten eng mit der Akademie der Bildenden Künste und dem Institut für Schulqualität und Bildungsforschung zusammen

KUNSTprojekte

zeige deine Wunde 2016

Eine Rezeption
Soziale Plastik?!
Gesellschaftliches Handeln in der Kunstpädagogik
09. November 2016
19.00 Uhr
PS2

Wir laden Sie herzlich ein!
KURZE VORTRÄGE
PODIUM
AUSSTELLUNG
GESPRÄCHE
Wittelsbacher-Gymnasium München
Jutta Görlich
Gerald Kukla

Mehr dazu?
Siehe Einladung:

Interkulturelles Maibaumfest

Interkulturelles Maibaumfest

Im Keller des Wittelsbacher-Gymnasiums gelingt mühelos, was die öffentliche Debatte anzweifelt: die konfliktlose und gewinnbringende Begegnung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus unterschiedlichen Bildungsschichten, mit und ohne Migrationshintergrund. SchülerInnen und Schüler errichten in der schuleigenen Galerie zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Nationen und jungen Männern und Frauen aus einer Münchner Flüchtlingsunterkunft einen interkulturellen Maibaum. Dabei überwinden sie sprachliche Hürden, erschließen Traditionen, führen sie in neuer Form weiter und modifizieren ästhetische Konventionen.

Zum einen setzt das Wittelsbacher-Gymnasium im P-Seminar „Der interkulturelle Maibaum“ den Ansatz „Kunst als soziales Handeln“ aus den letzten Jahren fort. In einer Kooperation mit SozialpädagogInnen aus dem Amt für Wohnen und Migration der Landeshauptstadt München übernahmen Schülerinnen und Schüler des Wittelsbacher-Gymnasiums über die Dauer eines Jahres Patenschaften für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und trafen sich mit ihnen einmal pro Woche. Diese waren entweder unbegleitet geflüchtet oder mit ihren Familien nach München gekommen, lebten in Wohngemeinschaften oder sozialpädagogisch betreuten Wohnprojekten und waren zum Teil schon in der Schule oder in Ausbildung.

Die Treffen gestalteten sich in den einzelnen Teams unterschiedlich: sie verbrachten die Zeit gemeinsam, fotografierten, besuchten Museen, lernten, spielten, speisten gemeinsam, bummelten durch die Stadt oder besuchten Yogakurse.

Zum anderen erarbeitete die gesamte Gruppe an fünf Workshop-Tagen am Wochenende eine Rauminstallation, den interkulturellen Maibaum. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von Kindern und auch jungen Männern und Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft an der Richard-Strauss-Straße. Gemeinsam entwickelten Vertreter aus unterschiedlichsten Kulturen eine komplexe, neuartige Version eines Maibaums und probten eine Choreografie für einen Maitanz.

Jutta Görlich und Gerald Kukla
für die Fachschaft Kunst und das P-Seminar „Der interkulturelle Maibaum“

Stadtlabor am Obststandl

Stadtlabor am Obststandl

Eine Kooperation des Wittelsbacher-Gymnasiums und der Architekturvermittlerin Miriam Mahlberg, der LAG Architektur und den Referendarinnen des Studienseminars Kunst 2016/2018

Es gibt verschiedene Wege mit SchülerInnen zum Thema Raum zu arbeiten. Dabei bietet sich wie selbstverständlich der Weg der Raumspezialisten an, die Herangehensweise der Architekten. Diese besteht darin, vom Ort und der Bauaufgabe auszugehen, dann in Grundrissen, Ansichten, Schnitten das Gebäude zu planen, dessen Konstruktion und Verhältnis zur Umgebung im Modell zu konkretisieren, um dieses dann schließlich zu realisieren.

Zugang zum Thema Raum vermag auch die projektorientierte Kunstpädagogik leisten, die es zulässt, aleatorisch, also ausgehend vom Material spielerisch Werke zu entwickeln, deren Entstehungsprozess zu begleiten und diese im Gespräch zu modifizieren, wobei nicht das Endprodukt, sondern ein ergebnisoffener Prozess im Zentrum steht.

Für dieses Procedere hat man sich für den Architekturworkshop der Klasse 9b mit der Architekturvermittlerin Miriam Mahlberg auf dem Gelände der LAG Architektur entschieden. Das Stadtlabor ist ein Projektgelände der Landesgemeinschaft Architektur und Schule, das um ein ehemaliges Obststandl in Untergiesing SchülerInnen die Möglichkeit bietet, projektorientiert unter der Leitung von ArchitektInnen im urbanen Raum zu arbeiten.

Ausgangspunkt für dieses Projekt waren Hutgebilde aus rosarotem, weißem und schwarzem Schaumstoff in verschiedenen Formen, die im ersten Schulhalbjahr unter den Prämissen „Schutz und/oder Schmuck“ entwickelt und um passende Bekleidungen bzw. Accessoires ergänzt wurden. Bei einem Fotoshooting inszenierten sich die SchülerInnen auf dem Schulgelände selbst – zwei dieser Fotografien finden sich auf dem Cover des Jahresberichtes des Wittelsbacher-Gymnasiums 2015/2016.

Hier setzte der Workshop im „Stadtlabor am Obststandl“ an: An einem heißen Sommertag fuhren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b bepackt mit 15 großen blauen Müllsäcken, gefüllt mit rosarotem Schaumstoff mit der U-Bahn nach Untergiesing. Nach einem kleinen Input zur architektonischen Formensprache und der Ausdrucks- bzw. Symbolkraft von Architektur wurden die SchülerInnen zu BauherrInnen von Gebäuden für die TrägerInnen der von ihnen entwickelten Hüte.

Intention der ProjektinitiatorInnen war der experimentelle Materialumgang bei der Entwicklung der Gebäudeelemente, die daraus resultierende Raumerfahrung und deren Reflexion und nicht vordergründig das Design der Gebäude. Entstanden sind so beim Projekt „9b am Obststandl“ Bauwerke, die zum Teil nur wenig architektonischen Erwartungen entsprechen, gleichzeitig jedoch spannungsreich Facetten aufzeigen, wie Jugendliche Raum sehen und Raum bilden.
Die Gebäude der SchülerInnen öffneten sich zum Stadtraum, oder verschlossen sich ihm, sie bezogen sich auf das Gebäude des Obststandls oder auf ein Relikt des letzten Workshops auf dem Gelände. Sie kehrten sich voneinander ab oder standen als Solitär am Rand des Grundstückes zwischen „Big Bag“-Pflanztrögen.

Hier zeigten sich ebenso nahezu traditionelle Gartenpavillons in Blauweiß genauso wie am Baum schaukelnde, fluide Raumabschlüsse mit Schwebeboden. Während die eine Gruppe vom Foto eines Mädchens mit Schaumstoff-Faltenrock ausging, dessen Falten Gestaltungsgrundlage für ein mädchenhaftes, einen Baum mit Schleifen in die Gestaltung mit einbeziehendes Gebäude wurde, so war es für eine andere Gruppe die Geschichte eines Hauses für einen Angeber, das sich in den bayerischen Farben selbstbewusst am zentralen Platz raumabweisend positionierte.

Während die einen Teams Haustypen nachahmten und dabei aber gleichzeitig architektonische Konstruktions-prinzipien zielführend anwendeten, verließen andere bekannte Gebäudeformen und experimentierten frei mit dem Ort, dem Material und den Bäumen oder bauten ihre inneren Bilder.

Nach der Fertigstellung der Gebäude inszenierten sich die BauherrInnen in ihren Häusern selbst. Dabei weisen diese inszenierten Fotografien wiederum unterschiedliche Facetten auf: Eine Gruppe nahm die verwendeten Baumaterialien in ihre Kleidung mit auf und stellte sich somit als Teil des Gebäudes dar. Eine andere Gruppe inszenierte sich ausgehend von der flüchtigen und wenig stabilen Konstruktion des Bauwerks in einem Spiel mit schmalen Bändern als unangepasst und wenig normiert. Andere inszenierten theatral ihr Gebäude als bewachte Zelle, wiederum andere herab vom Baum als Piratenschiff.

Dem bayerischen G-8 wird die Dominanz des Kognitiven vorgeworfen. Dem steuert das Fach Kunst wirkungsvoll entgegen, dort gibt es im künstlerischen Handeln viel zu lernen. Als KünstlerInnen sind bayerische KunstlehrerInnen ModeratorInnen individueller Kunstprojekte ihrer SchülerInnen. Das Projekt „9b im Stadtlabor am Obststandl“ demonstriert, wie notwendig es ist, den SchülerInnen Raum zu bieten, für selbstgesteuerte Bildungsprozesse. Daher ist es auch Teil der Lehrerausbildung am Wittelsbacher -Gymnasiums, mit den ReferendarInnen exemplarisch projektorientiert zu arbeiten und gleichzeitig diese Offenheit in der zukünftigen Kunstpädagogik zu implementieren.

In der Abschlussevaluation am nächsten Tag im strömendem Regen äußerten sich die SchülerInnen nach dem Abbau ihrer Gebäude mit schmerzenden Händen durchwegs positiv, zeigten sich begeistert vom außerschulischem Lernort, vom Lernen im Freien und waren froh „endlich mal etwas tun zu dürfen“. Gerne hätten sie noch Zeit an dem von ihnen gestalteten Ort verbracht, hätten dort gerne „gechillt und gegrillt“.

Daher gilt unser Dank der LAG Architektur, für die Zurverfügungstellung ihres Areal für dieses spielerische Experiment und v.a. Miriam Marlberg (www.miriam-mahlberg.de) für die architektonische, Edward Beierle (www.edwardbeierle.de), Louisa Abdelkader und Eva Sanderova für die fotografische Begleitung.

Jutta Görlich

Fotos von Edward Beierle

Fotos von Eva Sanderova

Fotos von Louisa Abdelkader
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W-Seminar 2014/2016: Inszenierte Fotografie

Das W-Seminar 2014/2016: Inszenierte Fotografie

In einer von Migration und Globalisierung geprägten Gesellschaft überlagern sich grundsätzlich verschiedene kulturelle Formen unterschiedlichster Herkunft und Autorenschaft. Aus solchen Überlagerungen, manchmal in Schnittmengen, manchmal in Kollisionen, entsteht in Kunst, Alltags- und Jugendkultur Neues – ein kultureller „Remix“. Kunstpädagogik und Kunstvermittlung kommt die Aufgabe zu, den Blick von der Herkunft auch auf die gemeinsam geteilte Gegenwart zu wenden und Formen des kulturellen Remix zu thematisieren.
So werden Schüler/innen fähig, die Entwicklung von Kultur zu verstehen und mitzugestalten.

Zitat aus dem „Nürnberg Paper“: Interkultur – Globalität – Diversity: Leitlinien und Handlungsempfehlungen zur Kunstpädagogik/ Kunstvermittlung remixed

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Die Schülerinnen und Schüler des Wittelsbacher-Gymnasiums München stellen eine sehr homogene Schülerschaft mit meist akademischem Elternhaus dar. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund finden sich kaum. Daher wurden im W-Seminar „Inszenierte Fotografie“ nicht die visuelle Äußerungen verschiedener Kulturen innerhalb der einzelnen Familien oder innerhalb verschiedener kultureller Peergroups reflektiert, sondern ausgewählte Künstler hinsichtlich folgender Fragestellungen untersucht:

  1. Wie gehen internationale Künstler mit Bildwerken und visuellen Einflüssen verschiedener Kulturen, auch Populärkulturen (z.B. Mariko Mori) um?
  2. Wie thematisieren KünstlerInnen die Anpassung an die jeweilige Leitkultur als Zwang (Vanessa Beecroft, Chantal Michel, Pippilotti Rist, Cindy Sherman)? Wie verweigern bzw. transformieren sie diese Leitkultur in ihren Bildwerken und wie entstehen dadurch neue, kulturell ge-“remixte“ Ausdrucksformen?
  3. Wie befreien sich KünstlerInnen von gängigen Schönheitsidealen, wie setzen sie sich diese selbst, oder wie orientieren sie sich an traditionellen bzw. historischen Idealen verschiedener Ethnien? (Orlan, Katie Perry, Michael Jackson, Pippilotti Rist).
  4. Wie kann man sich am Bildaufbau etablierter europäischer Künstler orientieren, um diesen für bewusst eigene, remixte Gestaltungsvorhaben zu nutzen?

Schrittweise wurden die Schülerinnen und Schüler zu den Werken ausgewählter Künstler aus Hoch-und Popkultur geführt. Auf diesem Weg setzten sie sich mit Werkanalysen und Nachinszenierungen bekannter Kunstwerke, mit Selbstportraits mit der Lochkamera und einer Metamorphose als Serie auseinander. Als besonders hervorzuheben sind hier Mariko Mori, Orlan, Cindy Shermann, Chantal Michel und Michael Jackson, aber auch Hollywoodfilmproduktionen wie „Eat, Pray and Love“ oder „Step Up“ sowie die Karikaturen von Charlie Hebdo.

Während der Analyse ausgewählter Werke reflektierten die Schüler und Schülerinnen verschiedene künstlerische Strategien, deren Umgang mit Schönheit, Fremdheit und dem Bekannten und wandten ihre Erkenntnisse auf eigene bildnerische Arbeiten an.

Meist entstanden serielle Arbeiten zwischen Maskerade, Camouflage Metamorphose und Zitat, in denen sich spielerisch Formen verschiedener Kulturen, Schönheitsvorstellungen oder Stereotype überlagern.

Unten finden Sie Arbeiten der teilnehmenden SchülerInnen! Wenn Sie auf die Bilder klicken (mit Ausnahme dessen von A. Rich), können Sie sie im Originalformat betrachten…

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Alison Rich befasst sich mit Michael Jackson, der auch dafür bekannt ist, durch schönheitschirurgische Eingriffe Rassenbarrieren und die Festlegung durch das Geschlecht erfolgreich überwunden zu haben. Schönheitsideale erarbeitet sie als von der herrschenden Kultur bestimmt, jedoch auch selbst definierbar. So verwandelte sich Michael Jackson von einem schwarzen Mann in einen androgyn wirkenden weißen Mann.

Während eines Besuches bei der Maskenbildnerin verwandelt sich die weiße junge Frau in einen schwarzen Mann, nicht ohne dabei auf Besonderheiten Michael Jacksons einzugehen.

Christine Weber denkt in ihrer Seminararbeit über die Strategie der Schweizer Künstlerin Chantal Michel nach, die in ihren Arbeiten, in denen sie stets selbst in verschiedenen Identitäten auftritt, Realität als absurd und irreal inszeniert. In ihrer Vorstellung von der Welt als Bühne versteht sie das Dasein als eine theatrale Kreation. Sie spielt mit Identitäten, verschmilzt verkleidet mit Gegenständen, um dabei Zwänge auf die weibliche Psyche, aber auch weibliches Widerstandspotential zu demonstrieren.

Als weitere charakteristische Strategie der Künstlerin erarbeitet Christine Weber die der Camouflage. Darunter versteht sie die visuelle puppenhafte Anpassung an Räume, Umgebungen und Persönlichkeiten, mit der sie eine Komplizenschaft zwischen sich und den Dingen erzeugt.

In ihren eigenen bildnerischen Arbeiten inszeniert sich die Schülerin selbst im Stile Chantal Michels in Räumen in München. In diesen Räumen, z.B. in einer Shisha-Bar am Münchner Hauptbahnhof, einem türkischen Supermarkt, oder einem Münchner Geschäft mit exotischen hochwertigen Wohnassessoires zeigt sie sich als Bindeglied zwischen Fremdheit und Heimat. Sie passt sich spielerisch an das ihr Unbekannte an, und demonstriert so humorvoll den Willen zur Anpassung als absurden Zwang.

Emmeran Winter reflektiert in seiner Seminararbeit die Strategien der japanischen Künstlerin Mariko Mori, die in ihren Werken Aspekte wie Sience-Fiction, den Kontrast zwischen östlicher und westlicher Religiosität sowie emanzipatorische Fragestellungen thematisiert und dabei vielschichtige Interpretationen ermöglicht. Der Schüler stellt die verschiedenen Medien der Künstlerin vor, fokussiert sich jedoch auf digitale, nachbearbeitete Fotografien aus zwei Werkphasen, in denen sie sich als Fantasiefiguren oder Cyborgs selbst im urbanen Raum inszeniert.

Seine eigenen praktischen Arbeiten orientieren sich an der futuristischen urbanen Welt Moris und zeichnen sich durch Selbstironie aus. So zeigt sich der Schüler selbst in Cyborgkostümen als aus einem Computerspiel entsprungen im Stadtraum Münchens.

Franziska Spieß befasst sich in ihrer Seminararbeit mit der amerikanischen Künstlerin Annie Leibowitz, die mit ihren inszenierten Portraits Geschichten über die abgebildeten Personen erzählt.
Die Schülerin orientierte sich am Bildaufbau der Herrscherportraits Queen Elisabeths von Annie Leibowitz, die diese in repräsentativen Räumen oder vor aussagekräftigen Landschaften in Szene setzte.

Franziska positionierte MünchnerInnen mit Migrationshintergrund vor Münchner Gebäuden, die einen Kulturimport innerhalb der Architekturlandschaft der Landeshauptstadt darstellen. Sie möchte Menschen und Architektur mit gleichen kulturellen Wurzeln bildnerisch annähern und als ebenso integriert und heute selbstverständlich erscheinen lassen, wie die Architekturimporte des 19. Jahrhunderts für den Städtebau Münchens.

Es gelingt ihr, genreübergreifende Kulturimporte als festen Bestandteil ihrer Heimat zu begreifen und diese selbstverständliche Koexistenz auch auf Menschen auszuweiten.

Jonathan Spieß thematisiert in seiner Seminararbeit den Umgang mit Stereotypen im Werk „Bus Riders“ der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman. Die Künstlerin reflektiert in ihren inszenierten Fotografien Themen wie Sexualität, Rollenklischees und kulturelle und soziale Stereotypen reflektiert.

Innerhalb seiner praktischen Arbeit orientiert er sich an der Bus-Rider-Serie Shermans und inszeniert sich selbst in verschiedenen ethnischen bzw.jugendkulturellen Stereotypen.

Messalina Mayer reflektiert in ihrer Seminararbeit verschiedene Typologien von Mariendarstellungen.
In ihren Inszenierungen orientiert sie sich an diesen, aktualisiert bzw. kontrastiert sie. Accessoires werden zu Attributen übersteigert und erlangen dadurch eine starke Aussagekraft.

Jede Darstellung ist genauestens komponiert und so ist eine komplexe Serie entstanden, in der die Schülerin kunsthistorische Typologien für eigene politische bzw. gesellschaftskritische Aussagen erfolgreich aktualisiert.

Pascal Hürten untersucht in seiner Seminararbeit drei verschiedene Realisierungen aus der Kunstgeschichte zum Thema Höllensturz und erweitert diese um eigene Interpretationen des Motivs. Die Inszenierungen der eigenen Höllenstürze orientieren sich hinsichtlich der Komposition und der Bildelemente an den kunsthistorischen Vorlagen.

Dem Schüler gelingt es, analog zum Vorbild aktualisierende, aber auch sehr persönliche Kompositionen fantastischer Wirklichkeiten zu schaffen.

Sandra Sedlmair reflektiert die verschiedenen Strategien der französischen Performance-Künstlerin Orlan, die sich durch Schönheitsoperationen und verschiedenen Applikationen an den Schönheitsidealen verschiedener außereuropäischer Kulturen orientiert. Der Künstlerin geht es hierbei um die Dekonstruktion von globalisierten Schönheitsidealen.

Sandra stellt die fotografischen Arbeiten der französischen Künstlerin nach und spielt dabei mit Schminke, Accessoires und Kleidung.

DIES POMPEIANOS

Am Projekttag besuchte die Klasse 5d die Pompeji- Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle. Vorher verkleideten sich die SchülerInnen als Pompejianer, Göttinnen, Senatoren und Helden und ließen sich im Kunstraum fotografieren. Im Lateinunterricht verfasste Texte zu ihrem Leben in Pompeji oder als Teil der Götterwelt begleiten nun die kleine Publikation: „ROMANI SUMUS“.

PRIMO IN SCHOLA TOGA ROMANA ORNABAMUR.
TUM SIMULACRA A NOBIS FACTA SUNT. NOS ROMANI ET ROMANAE, IMPERATORES ET
SENATORES, DEI ET DEAE, SED ETIAM FURES ET MENDIDI SUMUS.
POSTEA AD MUSEUM POMPEIANUM ACCEDEBAMUS.
IBI DUX MUSEI NOBIS SIMULACRA ET MONUMENTA ET STATUAS OSTENDEBAT. DUX NOBIS
SIMULACRA TECTORUM ANTIQUORUM OSTENDABAT.
MUSEUM PULCHRUM ERAT.
SED ROBINUS PUER IN VIA CADEBAT.
MAGISTRA MÄNNER MATREM ROBINI ACCESSIT.
TUM ITERUM AD SCHOLAM PROPERABAMUS.
IBI NONNULLI DISCIPULI DISCIPULAEQUE SIMULACRA FACIEBANT.
TUM OMNES DISCIPULI QUIESCEBANT.
DEINDE NOS EPISTULAS A GAIO PLINIO SECUNDEO SCRIPTAS RECITABAMUS.
DENIQUE CALSSIS HISTORIAM ROMANORUM IN TELEVISIONE SPECTABAT.
DIES IN MUSEO POMPEIANO PULCHER ERAT.

JONAS KRAPP

MIT: Jessica Andraschko, Dietmar Gebauer, Jutta Görlich, Alexandra Männer

P-Seminar Kunst als soziales Handeln

Kunst als soziales Handeln

Ausgehend vom erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys, der in der Kreativität und der Energie des Einzelnen das Kapital und das Potential einer Gesellschaft sieht, wird im P- Seminar „Kunst als soziales Handeln“ ein soziales Projekt mit dem „Amt für Migration München“ realisiert. Ziel des Projektes ist die soziale Integration von Flüchtlingsfamilien in die deutsche Gesellschaft.

Im Amt für Wohnen und Migration München betreut Frau Carola Bamberg das Patenprojekt „Aktiv gegen Wohnungslosigkeit“. Sie stellt den Kontakt her zwischen ehrenamtlichen Paten, MünchnerInnen, die die Unterstützung von sozial Benachteiligten als ihre Pflicht begreifen, und ihren Patenschaften – meist Flüchtlingsfamilien aus Krisenländern. In diesem Projekt, das es nun schon seit 20 Jahren in München gibt, erleichtern die PatInnen ihren Patenschaften den Start ihres neuen Lebens in Deutschland, begleiten sie bei Behördengängen, unterstützen Kinder auf ihrem Weg durchs deutsche Schulsystem und helfen ihnen auch bei der Suche nach Wohnung und Arbeit. Durch die PatInnen erfahren sie Wertschätzung und Unterstützung und v.a. dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Integration der Patenschaften in die deutsche Gesellschaft.

Diese PatInnen, die schon viele Jahre in den meist kinderreichen Familien tätig sind, begleiteten die SchülerInnen des Wittelsbacher Gymnasiums zu „ihren“ Familien und sind nun AnsprechpartnerInnen und VermittlerInnen, wenn der interkulturelle Dialog manchmal nicht einfach ist oder UnterstützerInnen, wenn Probleme so groß sind, dass sie von SchülerInnen nicht mehr bewältigt werden können.

KICKOFF
Um sich kennenzulernen, fand im September 2013 am Wittelsbacher Gymnasium ein gemeinsamer Abend statt, an dem sich sowohl die bereits in den Familien tätigen PatInnen als auch Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren, deren Eltern aus Somalia, Afghanistan, Bulgarien, aus dem Irak und aus Nigeria kommen, sowie die Wittelsbacher SchülerInnen, die mit ihren Eltern erschienen waren, kennenlernen konnten.
Bei einem reichhaltigen Buffet, das die Wittelsbacher organisiert hatten, wurden gemeinsame Aktivitäten besprochen und Termine vereinbart, und in der Regel treffen sich nun die Wittelsbacher PatInnen mit ihren Patenschaften im Rahmen eines vereinbarten Stundenkontingents einmal pro Woche.

WITTELSBACHER PATINNEN: 1XPRO WOCHE

Einige Patenschaften sind noch in Unterkünften oder Pensionen untergebracht, manche leben in einer Wohnung in München, die „Wittelsbacher“ besuchen sie dort und sehen so Orte in München, die ihnen vorher völlig fremd waren, sie sehen fremde Lebenswelten in unmittelbarer Nähe, begegnen anderen Kulturen in Notunterkünften und lernen bisher unbekannten Lebensformen in Großfamilien kennen. Und sie geben etwas aus ihrer Welt weiter: sie lernen, spielen, lesen vor, sie backen Plätzchen und zeigen den Jugendlichen ihr München, sie begleiten durch die Berufsschule und pauken Mathematik, sie üben stundelang Artikel und versuchen durch Schulfrust zu Erfolgserlebnissen zu tragen, auch wenn sie in Klausurzeiten selbst an ihre Grenzen geraten.

Jutta Görlich

Kleiner Bericht über den Festakt zu den Feierlichkeiten 20 Jahre Patenprojekt im Münchner Stadtmuseum am 28.03.2014 von Sara Pretterhofer, Q11

Ein Jahr Planung war nötig, um das 20. Jubiläum des Patenprojektes zu diesem humorvollen und herzlichen Event zu machen, das wir im Münchner Stadtmuseum erleben durften. Neben den außergewöhnlichen Auftritten des Comedy Duos „Impro alla turca“ und einer fantastischen, rumänischen Marimbaphon-Spielerin standen die engagierten Mitarbeiter des Projektes im Vordergrund. Großer Dank wurde v.a. Frau Bamberg, der Projektleiterin ausgesprochen, die auch für uns die Kontakte zu unseren Patenschaften organisiert hatte.

Besonders bewegend waren für mich die Auftritte mehrere Paten mit ihren Patenschaften, die durch die Berichte von ihren gemeinsamen Erlebnissen die Notwendigkeit und die Großartigkeit dieses Projektes spürbar machten und die Schwierigkeiten zeigten, die die Patenschaften nicht nur mit der deutschen Bürokratie, sondern auch mit der fremden Kultur hatten. In diesen kleinen Schilderungen wurde besonders erfahrbar, wie auch die Paten von diesen Begegnungen profitieren, und in jedem Moment des Abends wurde deutlich: Helfen macht glücklich.

Und da aus den Patenverhältnissen sich über viele Jahre hinweg Freundschaften entwickelt hatten, feierten Freunde ein heiteres Fest mit einem fantastischen interkulturellen Catering, bestehend aus uigurischem Nudelsalat, Maiskuchen, Hackfleischbällchen und Couscous mit Granatäpfeln…..

Noor und ich

…wurden im September 2013 durch das P-Seminar Kunst willkürlich zusammengeführt. Seitdem treffen wir uns regelmäßig.

Ihre Familie stammt aus dem Irak, wobei Noor und ihre zwei jüngeren Geschwister Hamsa und Shams in Deutschland geboren wurden. Da in Noors Familie hauptsächlich Arabisch gesprochen wird, tut sich Noor oft schwer mit der deutschen Sprache. Deshalb ist das auch eines der großen Themen, an dem wir arbeiten. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, übe ich mit ihr in spielerischer Weise die drei Artikel.

Noor ist ein sehr ehrgeiziges Mädchen, sie hat jetzt schon große Ziele. So will sie beispielsweise Ärztin oder Ingenieurin werden. Zudem ist sie ausgesprochen kreativ. Als wir uns kennenlernten, begann sie ein Geschichtenheft zu schreiben, dessen Inhalte sie mir nach und nach vorliest, um sie dann gemeinsam mit mir zu verbessern.

Doch Noor und ich lernen nicht nur. Manchmal unternehmen wir auch andere Dinge. Zum Beispiel sind wir ins Kino gegangen, haben ihren elften Geburtstag gefeiert und waren bei dem Osterfest, das alle Teilnehmer des P-Seminars Kunst für unsere Patenkinder organisiert haben.

Im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass dieses Projekt sowohl Noor als auch mich selbst weitergebracht hat. Mein Aufgabenbereich liegt nicht allein im Schulischen, sondern auch darin eine allgemeine Stütze für Noor zu sein. Obwohl die Begegnung mit Noor zufällig war, bin ich sehr froh sie kennengelernt und all diese Erfahrungen mit ihr gemacht zu haben.

Text von Johanna Ignell, Q11

Ostercafé

Am Samstag, den 05.04.2014, fand am Wittelsbacher-Gymnasium auf Initiative unseres P-Seminars „Kunst als soziales Handeln“ ein Ostercafé mit allen Kindern unseres Projekts statt.

Das Thema, das dabei im Vordergrund stand, lautete „Ostern“ und deshalb bauten wir im Voraus verschiedene Stationen rund um das Thema Ostern auf:

  • Die Kinder konnten an einer Station Osterhasen malen und Osterkarten basteln, direkt daneben durften Sie an einer weiteren Station Stoffhasen nähen, ein Raum weiter befand sich die Ton-Station, wo die Kinder verschiedene Dinge aus Ton modellieren konnten. Außerdem durften sich die Kinder auch als Künstler an der Eier-Bemal-Station versuchen.
  • Auf dem Sportplatz nutzten vor allem die Jungs die Möglichkeit, sich auszutoben und Fußball zu spielen.

Selbstverständlich wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt, es gab ein interkulturelles Buffet mit einer großen Auswahl an Speisen und Getränken.

Das Highlight unseres gemeinsamen Tages war die große Osternestsuche: Vor Beginn versteckten wir SchülerInnen mit süßem Inhalt gefüllte Osternester im Pausenhof, und somit konnte jedes Kind mit einer kleinen Erinnerung an den schönen Tag nach Hause gehen.

Die Veranstaltung hat uns allen viel Spaß gemacht und gab auch unseren Patenschaften die Möglichkeit, sich untereinander besser kennenzulernen. Besonders spannend dabei war, dass Kinder unterschiedlichster Altersgruppen aufeinander trafen – und trotzdem haben sich alle gut verstanden und hatten viel Spaß an unserem vielseitigen Programm.

An dieser Stelle gilt unser Dank besonders Frau Görlich, die den Tag organisiert hatte, und den Kunst-Referendaren, die jeweils eine Station betreut hatten.

Text von Julia Wohlgeschaffen, Q11

Malen in der Unterstufe

Malen in der Unterstufe

„Wie man sich auch fühlen mag, der Moment des Malens ist immer ein Glücksmoment.“ (Etel Adnan „Reise zum Mount Tamalpais“, S. 39 , Edition Nautilus 2007 )

Dass es auch darum geht, wenn wir mit Kindern von 10 – 12 Jahren im Kunstunterricht zusammen arbeiten, Lernziele hin oder her, sollte einem immer bewusst sein. Ebenso die Verschiedenheit unserer Schüler, auf die es Rücksicht zu nehmen und die es zu unterstützen gilt. Entsprechend müssen die Themenstellungen in Kunst inhaltlich so ausgerichtet werden, dass sie möglichst alle ansprechen. Andrerseits sollen die Schüler gerade am Gymnasium jetzt lernen, dass es auf die Gestaltungen in ihren Werken ankommt und nicht allein auf die in ihnen enthaltene Aussage. Das macht Arbeit! Für beide Seiten.

Hierzu zwei Beispiele speziell zum Lernziel „Malen“ in der 5. und 6. Klasse.

„Die Pinguine aus Madagaskar“ – nicht Teil V, sondern die aus der 5d

Am Beginn steht die experimentelle Erfahrung mit Acrylfarben auf einem großen Bogen (A2) Papier. Damit das Experiment nicht in ein bloßes Klecksen und Schmieren ausartet, braucht es eine gewisse Struktur, in diesem Fall einen Text von Will Grohmann zu dem Gemälde „Nadja I“ von Walter Stöhrer. Die Schüler malen chorisch parallel zum Verlesen dieses Textes. Es entsteht ein stark farbiges, sehr dynamisches, abstraktes Bild, in welchem sich sehr deutlich der persönliche Duktus des einzelnen und damit sein Temperament ausdrücken kann. Von recht klaren, noch weißgrundigen Kompositionen bis zu farbindifferenten schlammigen Grundierungen, welche durch das In- und Übereinander komplementärer Farben entstehen reichen die Ergebnisse.

Eine intensive Besprechung der Ergebnisse klärt für die Schüler das Zustandekommen ihrer Bilder und lehrt sie zugleich die Wichtigkeit der Farbwahl beim differenzierenden Mischen von Tönen. Um das Bedürfnis der Schüler nach einer Bilderzählung zu befriedigen und aus der Übung ein Werk zu machen, wird es mittels einer Papiercollage komplettiert, welche thematisch auf einen aktuellen Film – eben die „Pinguine aus Madagaskar“ Bezug nimmt. Damit lernen die Schüler auch ein Stück Komposition und die Abhängigkeit der Bildwirkung von ihr, da sie durch herumschieben ausprobieren können, an welcher Stelle ihr Pinguin am besten platziert ist.

Die abschließende Signatur mit weißer Acrylfarbe nimmt direkt Bezug auf das Ölbild von Stöhrer. Dieses wird jetzt verglichen mit den eigenen Ergebnissen. Abschließend schreiben die Schüler einen kleinen Text zu ihrem Bild in ihr Kunstheft, der wiederum selbst als Vorlage für ein Bilddiktat dienen kann.

Vulkanausbruch im Eis

Ein kunstpädagogischer Klassiker – das haben schon die Großeltern im Kunstunterricht gemalt! Ein Beweis dafür, dass es so etwas wie Archetypen gibt, die immer funktionieren. Ein Thema, das die Emotionen weckt, das die Vorstellungskraft eines 10jährigen Kindes auszufüllen vermag und hervorragend geeignet ist, den Warm-Kalt-Kontrast aus der dürren, abstrakten Theorie in ein erlebtes Bild zu übersetzen.

Und wer meint, da kämen doch dann immer dieselben und nicht mal die gleichen Bilder heraus: der schaue!

Der Turm des WBG in abstrakter Landschaft

In der 6. Klasse geht das Erkunden des Materials einen Schritt weiter. Es wird mit Acryl auf Leinwand gemalt, die Farbe kann pastoser angewendet werden.

Ausgehend von der Betrachtung und Interpretation eines Gemäldes von Etel Adnan werden gemeinsam Regeln für das Malen des eigenen Bildes erarbeitet. Es dürfen nicht mehr als 15 Formen benutzt werden und nicht weniger als 12 Farben. Das zwingt zu einem sehr differenzierten Ausmischen der Farben, es eröffnet das Prinzip der Farbverschränkung und eröffnet emotional das Feld der Farbklänge, welche einerseits zwar eine Grundlage in den Kontrastgesetzen haben, aber auch eine ebenso subjektive Note besitzen. Teilweise wird dieses Thema auch in Partnerarbeit ausgeführt, wenn aus den unterschiedlich großen Formatmöglichkeiten von den Schülern besonders große herausgesucht werden. (Formate bis 60 × 80 cm).

In diesem Fall wurde dem Thema eine Übung zur Runge´schen Farbkugel vorgeschaltet, mit welcher von den Schülern bereits eine große Palette an Farbnuancen erarbeitet worden war. Diese wird im Kunstheft archiviert. Und so unterschiedlich sehen die Ergebnisse aus!